Wer kann die Förderung beantragen?
Der Kredit richtet sich nicht nur an Gründerinnen und Gründer, sondern ausdrücklich auch an etablierte mittelständische Unternehmen. Genau darin liegt der Unterschied zu den enger zugeschnittenen Gründerprodukten der KfW.
- Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.
- Das Unternehmen darf höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen.
- Einzelunternehmer, Selbstständige sowie Freiberuflerinnen und Freiberufler können ebenfalls antragsberechtigt sein.
- Der Kredit kann für Gründung, Unternehmensnachfolge, Beteiligungen und laufende Investitionen genutzt werden.
- Für die Variante 366 mit Risikoübernahme sind mindestens zwei vollständige Geschäftsjahre erforderlich.
- Unternehmen ohne zwei abgeschlossene Geschäftsjahre können den Kredit 366 nicht nutzen und müssen die Variante 365 oder passende Alternativen prüfen.
Was wird gefördert?
Das Programm ist bewusst breit angelegt. Es finanziert nicht nur klassische Sachinvestitionen, sondern auch Liquiditätsbedarf und unternehmerische Übergänge wie Nachfolge oder Beteiligungen.
| Förderfähiger Bereich | Beispiele | Einordnung |
|---|---|---|
| Investitionen | Maschinen, Gebäude, Software und andere betriebliche Investitionen. | Besonders relevant bei langlebigen Wirtschaftsgütern, weil Laufzeiten bis zu 20 Jahre möglich sind. |
| Betriebsmittel | Laufende Kosten wie Personal, Mieten und vergleichbare betriebliche Ausgaben. | Beim Kredit 366 ist der Betriebsmittelanteil auf 7,5 Millionen Euro begrenzt. |
| Waren- und Materiallager | Aufbau oder Finanzierung von Lagerbeständen. | Relevant, wenn Wachstum oder Auftragsvolumen zunächst Kapital bindet. |
| Gründung, Nachfolge und Beteiligungen | Unternehmensgründung, Unternehmensübernahme, Nachfolge und Beteiligungserwerb. | Bei kleineren Gründungsvorhaben können spezialisierte KfW-Produkte besser passen. |
| Vorhaben im Ausland | Grundsätzlich förderfähige Auslandsinvestitionen. | Die konkrete Ausgestaltung muss mit dem Finanzierungspartner geprüft werden. |
Wie hoch ist die Förderung?
Der ERP-Förderkredit KMU ist vor allem dann interessant, wenn der Kapitalbedarf nicht mehr in die kleineren Gründerkredite passt. Mit bis zu 25 Millionen Euro je Vorhaben ist er der volumenstarke Allrounder innerhalb der KfW-ERP-Familie.
Wichtig zur Förderhöhe
Der maximale Kreditbetrag liegt bei 25 Millionen Euro je Vorhaben. Einen Mindestbetrag nennt die Programminformation nicht. Beim Kredit 366 mit 50 Prozent Risikoübernahme ist der Anteil für Betriebsmittel auf 7,5 Millionen Euro begrenzt. Die Laufzeit kann bis zu 20 Jahre betragen, mit bis zu drei tilgungsfreien Anlaufjahren. Der Zinssatz richtet sich nach dem risikogerechten Zinssystem der KfW, also nach Bonität und Sicherheiten, und ist durch das ERP-Sondervermögen vergünstigt. In Regionalfördergebieten gelten günstigere Konditionen. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn über den Finanzierungspartner gestellt werden.
Welche Voraussetzungen gelten?
Bei diesem Programm entscheidet häufig nicht die Förderfähigkeit des Vorhabens allein, sondern die Bankfähigkeit der Finanzierung. Der Kredit läuft über die Hausbank, und genau dort werden Bonität, Sicherheiten und Tragfähigkeit des Vorhabens geprüft.
- Der Antrag wird über einen Finanzierungspartner gestellt, zum Beispiel die eigene Bank oder Sparkasse.
- Eine direkte Antragstellung bei der KfW ist nicht vorgesehen.
- Die Hausbank prüft das Vorhaben, leitet den Antrag an die KfW weiter und schließt den Kreditvertrag.
- Beim Kredit 365 trägt die Hausbank das Kreditrisiko ohne KfW-Risikoübernahme.
- Beim Kredit 366 übernimmt die KfW 50 Prozent des Risikos der Hausbank.
- Trotz Risikoübernahme haftet der Kreditnehmer weiterhin vollständig für die Rückzahlung.
- Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden.
- Als Vorhabenbeginn können insbesondere abgeschlossene Liefer- oder Kaufverträge problematisch sein.
Häufiger Fehler
Der kritischste Fehler ist ein zu früher Start. Wer Verträge abschließt oder mit dem Vorhaben beginnt, bevor der Förderkredit über den Finanzierungspartner beantragt wurde, verliert die Förderfähigkeit.
Wie läuft die Antragstellung ab?
Die Antragstellung folgt dem Hausbankprinzip. Praktisch bedeutet das: Nicht die KfW ist der erste Ansprechpartner, sondern die Bank, die das Vorhaben finanziell begleitet und gegenüber der KfW einreicht.
- Vorhaben und Finanzierungsbedarf sauber abgrenzen, insbesondere Investitionen, Betriebsmittel und mögliche Nachfolge- oder Beteiligungsbestandteile.
- Prüfen, ob die Variante 365 oder 366 in Frage kommt; für 366 müssen mindestens zwei abgeschlossene Geschäftsjahre vorliegen.
- Vor dem Vorhabenbeginn Kontakt mit der Hausbank oder Sparkasse aufnehmen.
- Unterlagen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit, Bonität, Sicherheitenlage und zum Verwendungszweck vorbereiten.
- Die Hausbank prüft das Vorhaben und reicht den Antrag an die KfW weiter.
- Nach Zusage und Kreditvertrag kann die Auszahlung und Umsetzung des Vorhabens erfolgen.
- Tilgung und laufende Betreuung erfolgen über den Finanzierungspartner.
Wann lohnt sich diese Förderung?
Strategisch ist der ERP-Förderkredit KMU die richtige Adresse, wenn ein Unternehmen nicht mehr nur eine kleine Gründungsfinanzierung braucht, sondern einen breiten Finanzierungsrahmen für Wachstum, Investitionen oder Nachfolge. Die Variante 366 kann dabei ein Türöffner sein, wenn die Hausbank wegen des Risikos zurückhaltend ist. Sie hilft aber nur Unternehmen, die bereits mindestens zwei abgeschlossene Geschäftsjahre vorweisen können.
Praxisbeispiel
Ein etabliertes KMU plant eine größere Maschineninvestition und benötigt zusätzlich Betriebsmittel für Material und Personal. Für ein sehr kleines Gründungsvorhaben wäre StartGeld naheliegender, für ein junges Unternehmen unter fünf Jahren kann der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge passen. Wenn aber ein größerer Investitionsbedarf im bestehenden Mittelstand finanziert werden soll, ist der 365/366 häufig der zentrale KfW-Kredit.
Kombinierbarkeit mit anderen Programmen
Eine Kombination mit weiteren Finanzierungsbausteinen hängt vom Einzelfall, der Hausbank und der konkreten Struktur ab. Besonders relevant wird das Thema, wenn die Sicherheiten für die Bank nicht ausreichen.
- Bürgschaft ohne Bank (BoB): Kann relevant werden, wenn die Sicherheiten für den Kredit 365 nicht ausreichen und die risikoentlastete Variante 366 wegen fehlender Geschäftsjahre nicht möglich ist.
Welche Alternativen gibt es?
Der 365/366 ist nicht automatisch der beste KfW-Kredit. Die richtige Wahl hängt stark davon ab, ob es um einen kleinen Einstieg, eine junge Unternehmensphase, eine größere Mittelstandsfinanzierung oder ein Innovationsvorhaben geht.
- ERP-Gründerkredit StartGeld (067): Alternative für kleinere Gründungs- und Einstiegsvorhaben bis 200.000 Euro.
- ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077): Alternative für junge Unternehmen unter fünf Jahren, bis 500.000 Euro und mit Begrenzung auf 35 Prozent der förderfähigen Kosten.
- ERP-Förderkredit Innovation (513/514): Alternative, wenn das Vorhaben ein Innovationsvorhaben ist und die innovationsspezifische Programmlogik erfüllt.
Nicht sicher, welche Förderung besser passt?
Wenn mehrere Programme infrage kommen, ist eine Einordnung nach Vorhaben, Unternehmensgröße und Zeitpunkt oft sinnvoll.
Vorhaben einordnen →Häufige Fragen
Ist der ERP-Förderkredit KMU ein Zuschuss?
Nein. Es handelt sich um einen zinsgünstigen Förderkredit, nicht um einen Zuschuss. Die Förderung liegt im vergünstigten Zinssatz und beim Kredit 366 zusätzlich in der Risikoentlastung der Hausbank.
Was ist der Unterschied zwischen Kredit 365 und Kredit 366?
Der Kredit 365 läuft ohne Risikoübernahme der KfW. Beim Kredit 366 übernimmt die KfW 50 Prozent des Kreditrisikos der Hausbank. Für den 366 muss das Unternehmen mindestens zwei vollständige Geschäftsjahre vorweisen.
Wie hoch kann der Kredit sein?
Der Kredit kann bis zu 25 Millionen Euro je Vorhaben betragen. Beim Kredit 366 ist der Anteil für Betriebsmittel auf 7,5 Millionen Euro begrenzt.
Kann der Kredit für laufende Kosten genutzt werden?
Ja. Betriebsmittel wie Personal, Mieten und andere laufende Kosten können finanziert werden. Beim Kredit 366 gilt jedoch die Grenze von 7,5 Millionen Euro für den Betriebsmittelanteil.
Kann ich den Kredit direkt bei der KfW beantragen?
Nein. Der Antrag läuft über einen Finanzierungspartner, meist die eigene Bank oder Sparkasse. Die Hausbank prüft das Vorhaben, leitet den Antrag weiter und bleibt Ansprechpartner für Vertrag, Auszahlung und Tilgung.
Wann muss der Antrag gestellt werden?
Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn über den Finanzierungspartner gestellt werden. Wer vorher Liefer- oder Kaufverträge abschließt oder mit der Umsetzung beginnt, kann die Förderfähigkeit verlieren.
Für wen passt der ERP-Förderkredit KMU besonders?
Er passt besonders für KMU mit größerem Investitions- oder Finanzierungsbedarf, auch für etablierte Unternehmen. Für kleinere Gründungsvorhaben oder junge Unternehmen können andere KfW-Produkte passender sein.
Quellen
Die Angaben beruhen auf der offiziellen KfW-Produktinformation zum ERP-Förderkredit KMU.